Zeitschrift des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte | eISSN 2195-9617

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Inhalt Rg 21 (2013)

Recherche

Milan Kuhli

Power and Law in Enlightened Absolutism - Carl Gottlieb Svarez’ Theoretical and Practical Approach

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Thorsten Keiser

Between Status and Contract?. Coercion in Contractual Labour Relationships in Germany from the 16th to the 20th century

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Ignacio de la Rasilla del Moral

El estudio del Derecho internacional en el corto siglo XIX español

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Fokus

Christoph H. F. Meyer

Taufe und Recht. Einige einführende Bemerkungen

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Wolfram Brandes

Taufe und soziale/politische Inklusion und Exklusion in Byzanz

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Christoph H. F. Meyer

Taufe und Person im ersten Jahrtausend. Beobachtungen zu den christlichen Wurzeln einer Grundkategorie europäischen Rechtsdenkens

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Richard H. Helmholz

Baptism in the Medieval Canon Law

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Christiane Birr

Titulus ad regnum coelorum: Zur Taufe und ihren Wirkungen in der theologisch-juristischen Argumentation der Schule von Salamanca

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Michael Sievernich

»Baptismus barbarorum« oder christliche Initiation in der Neuen Welt Amerika (16. Jahrhundert)

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Forum

Thomas Duve

Law and Revolution – revisited

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Michael Welker

The Early Harold Berman On »Public Opinion«

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Gerhard Dilcher

Bermans »Law and Revolution« – eine rechtshistorische Revolution?

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Andreas Thier

Harold Berman’s »Law and Revolution«: A Necessary Challenge for Legal History Research

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Thomas Vesting

Die Suche nach einem Zeichen. Anmerkungen zum Gebrauch der Worte Revolution, Verfassung und Christentum bei Harold Berman

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Wim Decock

Capital Confidence. Updating Harold Berman’s Views on Mercantile Law and Belief Systems

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Pierre Monnet

Usages et réceptions médiévistes de Berman: un point de vue français

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Diego Quaglioni

«The Outer and the Inner Aspects of Social Life»

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Tomasz Giaro

The East of the West.
Harold J. Berman and Eastern Europe

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Alessandro Somma

Diritto comparato e rivoluzione

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Wang Jing

Law and Revolution in China. In memory of the 30th anniversary of Law and Revolution’s publication

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Heikki Pihlajamäki

Berman’s best pupils?
The reception of Law and Revolution in Finland

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Kristjan Oad

Berman and Livonia – Two Prodigious Strangers

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Charles J. Reid

Tradition in Revolution: Harold J. Berman and the Historical Understanding of the Papacy

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John Witte, Jr.

Harold J. Berman as Historian and Prophet

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Kritik

Karl Härter

Gewaltgeschichten

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Alexandra Kohlhöfer

Die Inquisition und ihre Wahrnehmung im Alten Reich

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Petr Kreuz

Kriminalität und Strafgerichtsbarkeit in den Böhmischen Ländern

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Petr Kreuz

Konflikte im frühneuzeitlichen Ostböhmen

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Taisiya Belyakova

Letzter Wille und Seelenheil

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Anna Margarete Seelentag

Regeln und Prinzipien

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Daniel Damler

Roms Enteignung

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Mathias Schmoeckel

Eine sehr zivilisierte Völkerrechtsgeschichte

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Stefan Kroll

Visible and Invisible Civilization

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Stefan Kroll

Koloniales Kapital. Über Pfadabhängigkeiten rechtlicher und politischer Einflussnahme

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Oliver Lepsius

Eine zu Recht vergessene Vergangenheit?

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Thorsten Keiser

Von Proletariern und Peones: Liberales und soziales Arbeitsrecht im Laboratorium der mexikanischen Justiz

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Alessandro Somma

Cultura giuridica e giuristi nella transizione dallo Stato liberale al fascismo

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Marginalien

Wolfram Brandes

Die »Familie der Könige« im Mittelalter. Ein Diskussionsbeitrag zur Kritik eines vermeintlichen Erkenntnismodells

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Caspar Ehlers, Holger Grewe, Sebastian Ristow

Eine archäologisch entdeckte, bisher unbekannte Taufpiscina in Ingelheim. Perspektiven zur Erforschung der Dualität königlicher und bischöflicher Siedlungstätigkeit im Frühmittelalter

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Rechtsgeschichte - Legal History

Zeitschrift des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte

Rechtsgeschichte erscheint seit 2002 als gedruckte Ausgabe im Klostermann Verlag. Beginnend mit der Ausgabe 20 (2012) wird die Zeitschrift parallel online im Open Access publiziert. Verbunden mit dieser Umstellung wurde die Mehrsprachigkeit der Zeitschrift ausgebaut, was sich in der Namenserweiterung "Rechtsgeschichte - Legal History" ausdrückt. Die Erscheinungsweise wurde zugleich auf eine Ausgabe pro Jahr umgestellt. Aktuelle und zurückliegende Hefte können weiterhin als gedruckte Ausgaben über den Buchhandel oder direkt beim Verlag bezogen werden.

Ab der Ausgabe 20 (2012) finden Sie auf dieser Internetseite alle Texte der gedruckten Ausgabe, wahlweise als textidentische html Datei oder text- und seitenkonkordant im pdf-Format. Die Bildstrecke bleibt jedoch dem gedruckten Heft vorbehalten. Die Ausgaben 1 bis 19 stehen online nur im pdf-Format zur Verfügung. Das Inhaltsverzeichnis der aktuellen Ausgabe finden Sie in der linken Seitenspalte, zu den zurückliegenden Ausgaben gelangen Sie über die obere horizontale Navigation.

Aktuelle Ausgabe:

Rechtsgeschichte - Legal History Rg 21 (2013)

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Deutsch

Editorial

Wie wir die Welt sehen, hängt nicht zuletzt davon ab, was wir von der Welt sehen. Das ist banal, aber folgenreich. Im letzten Heft haben wir diese Perspektivengebundenheit anhand von Weltkarten anschaulich machen wollen; die Karten, die von bestimmten Sehepunkten gezeichnet waren, rahmten die Beiträge des thematischen Schwerpunkts von Heft 20, dem Erkenntnispotential globaler Perspektiven auf die Rechtsgeschichte.

Dieses Heft 21 der Rechtsgeschichte – Legal History wird von Fotos begleitet, die in ganz anderer Weise auf die Kontingenz von Weltsichten hinweisen. Sie zeigen die wichtigsten Wissensspeicher, die wir für unsere Rechtsgeschichten nutzen: Texte und die in Texten beschriebenen Kontexte von Recht. Sie führen vor Augen, wie diese Medien geordnet, aufgereiht, entnommen werden; dass manchmal leere Regale bleiben, vergessene Winkel, dunkle verstaubte Ecken, weil sich niemand mehr interessiert. Nicht nur in der Bibliothek gilt: Wird ein Buch falsch klassifiziert oder verstellt, mag das in ihm enthaltene Wissen sehr lange verloren sein. Mit dem Umzug in einen Neubau am Rande des Campus Westend der Goethe Universität in Frankfurt wechselten auch die über 400.000 Bücher des Max-Planck-Instituts ihren Ort. Christiane Birr hat diese Umordnung, Neuaufstellung, den Transport von Wissen für die print-Version unserer Zeitschrift dokumentiert.

Auch die Beiträge im Heft bemühen sich um einen solchen Transport und um eine fruchtbare Umordnung, Neuaufstellung von historischem Wissen. In der Recherche versuchen drei Aufsätze – der mit Rg 20 begonnenen neuen Konzeption folgend – die Ergebnisse jüngerer rechtshistorischer Forschung zu wichtigen größeren Fragestellungen zusammenfassend darzustellen. Zwei von drei Beiträgen widmen sich auf den ersten Blick zwar sehr preußischen Themen, erzählen aber Geschichten, die weit über diesen Raum hinaus Bedeutung haben. Thorsten Keiser gibt einen Überblick über die Rechtsgeschichte der Arbeit zwischen Früher Neuzeit und Moderne im deutschsprachigen Raum – schreibt damit zugleich über Vertragszwang und Vertragsfreiheit, letztlich über Freiheit und Zwang zur Arbeit und der Rolle des Rechts. Milan Kuhli widmet sich einer Zentralfigur der preußischen Rechtsreformen des späten 18. Jahrhunderts, Carl Gottlieb Svarez, und dessen Bemühungen, den Herrscher des aufgeklärten Absolutismus rechtlichen Bindungen zu unterwerfen. Ignacio de la Rasilla del Moral führt in die Wissenschaftsgeschichte des Völkerrechts im 19. Jahrhundert in der spanischen Welt ein – ein bisher eher wenig beachteter Zugang zur Geschichte des Völkerrechts, der auf die Bedeutung der unterschiedlichen regionalen Traditionen für die Emergenz dieses besonders dynamischen Feldes der Regulierung hinweist.

Für den Fokus ›Taufe und Recht‹ sind einige von der rechtshistorischen Forschung eher selten konsultierte Bücher zur Hand genommen und rechtshistorisch gelesen worden: Es geht um die Rechtswirkungen der Taufe. Wie sehr unser Bild selbst klassischer Themen der Rechtsgeschichte wie etwa der historischen Formen der Konstituierung von Rechtsfähigkeit von einem säkularisierenden Blick geprägt ist, erläutert Christoph H.F. Meyer in seinen einführenden Bemerkungen. Diesen folgen zwei Beiträge zur Geschichte der Taufe aus dem Forschungsfeld ›Recht als Zivilisationsfaktor im ersten Jahrtausend‹ am Max-Planck-Institut – sein eigener sowie einer von Wolfram Brandes. Richard Helmholz’ Blick auf das klassische kanonische Recht vergleicht Taufe und Ehe in ihrer Rechtswirkung, Christiane Birr und Michael Sievernich widmen sich der Taufe in der Neuen Welt, insbesondere mit einem Bezug auf die Schule von Salamanca. Die Beiträge sind die ausgearbeiteten Fassungen der Vorträge auf einer Sektion auf dem Historikertag 2012 in Mainz.

Auf diesem brachte Wolfram Brandes auch einen Aspekt zur Sprache, den wir als Marginalie publizieren: Welche Argumente, vor allem aber auch welche Absichten hinter der Vorstellung der ›Familie der Könige‹ standen, die Franz Dölger 1940 als Institution mit Rechtswirkung bezeichnet und in die mediävistische Forschung eingebracht hatte. Auch die andere Marginalie steht in engem Bezug zum Fokus ›Taufe und Recht‹, zum Forschungsfeld ›Recht als Zivilisationsfaktor im ersten Jahrtausend‹ sowie unseren Bemühungen um ein besseres Verständnis der Herausbildung von Rechtsräumen: ein Bericht über die Entdeckung einer Taufpiscina in Ingelheim – und die Folgerungen, die sich an einen solchen Fund |knüpfen. Es ist zugleich ein gutes Beispiel für die Bedeutung archäologischer Funde für die Rechtsgeschichte, deren Quellen eben nicht allein in den Büchern liegen!

Für das Forum haben wir eine Reihe von Kolleginnen und Kollegen um eine Relektüre von Harold J. Bermans Werk gebeten. Vor inzwischen 30 Jahren, 1983, erschien sein vielleicht wirkungsvollstes Buch Law and Revolution. The Formation of the Western Legal Tradition. Es wurde in viele Sprachen übersetzt und ist – ungeachtet mancher Kritik gerade von Seiten der deutschsprachigen Mediävistik und Rechtsgeschichte, aber auch der großen geopolitischen Veränderungen seit seinem ersten Erscheinen – zu einer einflussreichen und breit rezipierten Darstellung der Rechtsgeschichte ›des Westens‹ geworden. Es nimmt vieles auf, was Berman bereits 1974 in The Interaction of Law and Religion formuliert hatte und bereitet vor, was er 2003 in Law and Revolution II: The Impact of the Protestant Reformations on the Western Legal Tradition zusammenfasste. Wir freuen uns, dass wir eine Reihe von gedankenreichen Auseinandersetzungen mit seinem Werk publizieren können, aus seiner Wirkungsstätte in Atlanta, aus Frankfurt, Warschau oder Bejing.

English

Editorial

How we perceive the world depends not least on what we see of it. That may sound banal, but has important consequences. In the last issue of this journal, our aim was to visualise this dependency on perspective with maps of the world. They were drawn from defined points of vision and provided a framework for the articles on the focus theme of Issue 20: the epistemological potential of global perspectives on legal history.

This Issue 21 of Rechtsgeschichte – Legal History features photos which illustrate the contingency of world views in a different way. They present the leading knowledge reservoirs we use for our legal histories: texts and the contexts of law described in them. And they show how these media are ordered, assembled and extracted and that empty shelves occasionally remain, or forgotten nooks and dark, dusty corners, because nobody is interested in these texts anymore. A principle applies, and not only in libraries: Once a book is classified wrongly or misplaced, the knowledge it contains can be lost for a very long time. With the relocation into a new building at the edge of Campus Westend of the Goethe University in Frankfurt, the more than 400,000 books held by the Max Planck Institute also moved there. Christiane Birr has documented this reordering, reassembly and transport of knowledge for the print version of our journal.

The articles in this issue, too, engage in knowledge transfer and a fruitful reorganisation of historical knowledge. In the Research section, three articles attempt – in line with the concept initiated in Issue 20 – to present summaries of the results of recent legal history research on important major themes. At first sight, two of the three contributions appear to be devoted to very Prussian topics, but they relate histories that are important far beyond this region. Thorsten Keiser presents an overview of the legal history of labour between the early modern and modern era in the German-speaking region, investigating compulsory contracts, the freedom to contract, and ultimately freedom and the compulsion to work and the role of law. Milan Kuhli examines a leading personality in the Prussian legal reforms of the late 18th century, Carl Gottlieb Svarez, and his endeavour to subject the ruler of enlightened absolutism to legal obligations. Ignacio de la Rasilla del Moral presents an introduction to the academic history of international law in the Spanish world of the 19th century – an approach to international legal history which has so far tended to be neglected and points to the importance of the different regional traditions for the emergence of this particularly dynamic field of regulation.

For the Focus ›Baptism and Law‹, a number of books rarely consulted in legal history research were taken to hand and read in a legal history perspective: what matters are the legal consequences of baptism. How strongly our view even of classical legal history topics like the historical forms of the constitution of legal capacity are shaped by a secularising perspective is addressed by Christoph H.F. Meyer in his introductory remarks. They are followed by two contributions on the history of baptism from the research field ›Law as a Civilisation Factor in the First Millennium‹ at the Max Planck Institute – his own and one by Wolfram Brandes. Richard Helmholz’ investigation of classical canonical law compares baptism and marriage in their legal consequences, while Christiane Birr and Michael Sievernich consider baptism in the New World, especially by reference to the School of Salamanca. These contributions are elaborated versions of lectures presented at a section of the 2012 Conference of German Historians in Mainz.

It was on this ocassion that Wolfram Brandes discussed which arguments and intentions underpinned the concept of the ›Family of Kings‹ which Franz Dölger had described in 1940 as an institution with legal effect and introduced into medievalist research. We publish Wolfram Brandes’ remarks as Marginalia. The other Marginalia is also closely related to the focus theme ›Baptism and Law‹ in the research field ›Law as a Civilisation Factor in the First Millennium‹ and to our efforts to acquire a better understanding of the development of legal spaces. It is an account on the discovery of a baptismal font in Ingelheim – and the conclusions drawn from that discovery. It is, at the same time, a good example of the importance of archaeological findings for legal history whose sources are, after all, not to be found in books alone! |

For the Forum, we asked a number of colleagues to re-read Harold J. Berman’s work. Thirty years ago, in 1983, Law and Revolution. The Formation of the Western Legal Tradition, probably his most influential work, was published. It was translated into many languages and – despite some criticism especially from German mediaevalists and legal historians, but also the great geopolitical changes that have occurred since – became an influential and widely read presentation of the legal history of ›the West‹. It takes up many arguments Berman had already formulated in 1974 in The Interaction of Law and Religion and prepared those he summarised in 2003 in Law and Revolution II: The Impact of the Protestant Reformations on the Western Legal Tradition. We are very pleased to be able to publish a range of thoughtful discussions of his work – from his own university in Atlanta, from Frankfurt, Warsaw, and Beijing.